Eosinophile Ösophagitis
Dr. Falk Pharma Eosinophile Ösophagitis EoE

Eosinophile Ösophagitis

Bei der Eosinophilen Ösophagitis, kurz EoE, handelt es sich um eine chronische Entzündung der Speiseröhre.

Definition

Die Eosinophile Ösophagitis ist eine Erkrankung, die seit Beginn dieses Jahrtausends zunehmend in den Fokus der Medizin rückt. Der Begriff leitet sich von der englischen Bezeichnung „Eosinophilic Esophagitis“, kurz EoE, ab und steht für eine chronische Speiseröhrenentzündung mit vermehrtem Auftreten spezieller Entzündungszellen, den sogenannten eosinophilen Granulozyten. Die eosinophilen Entzündungszellen sind eine Untergruppe der weißen Blutzellen (Leukozyten). Ihr vermehrtes Auftreten bei der EoE erklärt die Krankheitsbezeichnung (Ösophagus = Speiseröhre; -itis = Entzündung).

Die konkreten Ursachen dieser chronischen Speiseröhrenentzündung sind bislang nicht bekannt. Vermutet wird eine vorrangige allergische Reaktion gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln, daneben können aber auch allergieauslösende Stoffe aus der Luft als Basis der Entzündungsreaktion dienen. Betroffene haben zudem häufig auch andere allergische Erkrankungen wie beispielsweise Asthma oder Heuschnupfen. Eine gewisse Rolle scheinen auch die Erbanlagen (genetische Prädisposition) zu spielen.

Konkrete Angaben zur Häufigkeit der Eosinophilen Ösophagitis fehlen für unsere Breiten. Europaweit geht man davon aus, dass ungefähr 29 von 100.000 erwachsenen Menschen an einer EoE leiden, wobei jedoch große regionale Schwankungen zu verzeichnen sind. Vornehmlich sind industrialisierte Länder betroffen.

Die Eosinophile Ösophagitis kann in jedem Alter auftreten. Allerdings sind Männer – vorrangig im Alter zwischen 30 und 50 Jahren – dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Menschen mit einer EoE klagen vor allem über folgende Symptome einer Speiseröhrenentzündung: Schluckbeschwerden (Dysphagie), Schmerzen beim Schlucken (Odynophagie), Sodbrennen, aber auch Würgereiz. Im Einzelfall können Nahrungsbissen steckenbleiben und es kann dadurch zu einer Blockade der Speiseröhre (Bolusimpaktion) kommen.

Betroffene haben Schwierigkeiten, feste, faserige oder trockene Nahrung zu sich zu nehmen. Typischerweise kauen sie ihre Nahrung sehr ausgiebig, wodurch sie für eine Mahlzeit länger brauchen als gesunde Menschen. Um das Schlucken zu erleichtern, trinken sie übermäßig viel beim Essen. Sie bevorzugen eher leicht schluckbare, pürierte oder flüssige Nahrung. Viele Betroffene vermeiden Restaurantbesuche, weil sie Angst haben, dass ihnen aufgrund der Schluckbeschwerden das Essen im Hals steckenbleibt oder sie sich möglicherweise übergeben müssen.

Obwohl die Beschwerden die Lebensqualität stark beeinträchtigen können, ist den Betroffenen oftmals gar nicht bewusst, dass sie an einer Speiseröhrenentzündung leiden. Sie haben sich regelrecht an die Probleme gewöhnt und Vermeidungsstrategien entwickelt.

Bei Kindern macht sich die EoE häufig indirekt durch Appetitlosigkeit, Nahrungsverweigerung, Würgen, Erbrechen oder Wachstumsstörungen bemerkbar.

Wird die Eosinophile Ösophagitis nicht behandelt, so kann es im Verlauf von Jahren zu Komplikationen kommen. Als Folge einer chronischen Entzündung verändert sich das Gewebe in der Speiseröhre zunehmend und es droht die Ausbildung von Verengungen (Stenosen) oder Einschnürungen (Strikturen) in der Speiseröhre, die durch Vernarbungen entstehen. Das kann die Schluckbeschwerden deutlich verstärken.

Komplikationen sind auch im akuten Stadium möglich, wenn es zum Steckenbleiben von Nahrungsbissen in der Speiseröhre kommt. Diese müssen möglicherweise vom ärztlichen Fachpersonal entfernt werden, in schweren Fällen durch eine Notfallendoskopie.

Menschen mit einer EoE leiden häufig zugleich an weiteren allergischen Erkrankungen, wie allergischem Schnupfen, allergischem Asthma, Heuschnupfen, Ekzemen oder Nahrungsmittelallergien.

Diagnose

Der Verdacht auf das Vorliegen einer Eosinophilen Ösophagitis stellt sich praktisch immer, wenn Patient*innen über wiederkehrende Schluckbeschwerden klagen. Dann ist eine Abklärung durch den*die Gastroenterolog*in ratsam.

Um die Verdachtsdiagnose besser abzuklären, wird der*die Ärzt*in zunächst die Krankheitsgeschichte des*der Patient*in (Anamnese) erfragen. Dabei werden die aktuellen Beschwerden abgeklärt und auch, ob ähnliche Symptome nur ab und an oder regelmäßig auftreten und wann sie das erste Mal bemerkt wurden.

Im Arzt*in-Patient*in-Gespräch wird auch erfasst, ob Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien bekannt sind und ob Familienangehörige an Schluckbeschwerden leiden.

Außerdem sind die Essgewohnheiten des*der Patient*in relevant. Gezielt nachgefragt werden sollte, ob der*die Betreffende besonders lange für die Nahrungsaufnahme braucht, das Essen lange kaut, nur kleine Bissen zu sich nimmt, reichlich nachtrinkt und feste Nahrung eher meidet.

Fragebögen, wie der EAT-10 Fragebögen, helfen zu bestimmen, ob Schluckbeschwerden vorliegen. Sehr gerne können wir Ihnen eine Version dieses Fragebogens auf Ihre Anfrage hin zusenden.

EAT-10 Fragebogen anfordern.

 

Ob eine Eosinophile Ösophagitis vorliegt, kann letztlich nur der*die Gastroenterolog*in durch eine Spiegelung (Endoskopie) der Speiseröhre klären. Im Fall einer EoE sind im Allgemeinen bereits während der Untersuchung Entzündungszeichen und eventuell sogar schon Folgen der chronischen Entzündung in der Speiseröhre in Form von narbigen Veränderungen zu erkennen. Zu den Entzündungszeichen gehören beispielsweise Rötungen, Auflagerungen und Schwellungen der Schleimhaut und/oder die Bildung von Furchen und Verengungen.

Gesichert wird die Diagnose einer EoE aber nur durch den Nachweis einer vermehrten Anzahl an eosinophilen Entzündungszellen in der Speiseröhrenschleimhaut. Diese zeigen sich bei der mikroskopischen Untersuchung von Gewebeproben (Biopsien), die bei der Spiegelung der Speiseröhre entnommen werden.

Therapie

Auch wenn es bislang noch nicht möglich ist, diese chronische Speiseröhrenentzündung zu heilen, lassen sich die Symptome der Eosinophilen Ösophagitis nachhaltig behandeln.

Die medikamentöse Behandlung der EoE hat die Verbesserung der Lebensqualität durch eine nachhaltige Besserung der Beschwerden zum Ziel und soll das Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Es gibt aktuell drei mögliche Medikamente zur Behandlung der Speiseröhrenentzündung bei EoE:

Konventionelle Therapie:

  • Lokal wirksame Kortikosteroidpräparate, die entzündungshemmend wirken und von der deutschen Fachgesellschaft als Mittel erster Wahl empfohlen werden
  • Protonenpumpenhemmer (PPI), also Medikamente, die die Bildung von Magensäure unterdrücken

Für bestimmte Fälle, in denen eine konventionelle Therapie versagt oder nicht in Betracht kommt, steht seit kurzem eine immunmodulierende Therapie zur Verfügung.

Lokal wirksame Kortikosteroidpräparate werden laut aktueller medizinischer Leitlinie1 bei akuter EoE im Allgemeinen zunächst sechs Wochen lang eingenommen, wobei die Behandlung auf zwölf Wochen ausgedehnt werden kann, falls die Symptome anhalten. Danach sollte eine Kontrollspiegelung der Speiseröhre erfolgen, um den Erfolg der Therapie zu überprüfen. Wird die Therapie gestoppt, kommt es oft zum Wiederaufflammen der Entzündung und zu erneuten Beschwerden. Dann sollte eine Dauertherapie – meist mit verminderter Dosis - erfolgen. Eine konsequente Dauertherapie und regelmäßige Kontrollendoskopien mit Entnahme von Gewebeproben sind wichtig, da ansonsten die Erkrankung fortschreitet und sich die Speiseröhre unbehandelt durch narbige Strukturen zunehmend verengen kann.

1 S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis, Konsultationsfassung. AWMF-Registernr. 021–013 (Stand: August 2022), www.dgvs.de/wissen/leitlinien/leitlinien-dgvs/refluxkrankheit

Da ein enger Zusammenhang zwischen einer Eosinophilen Ösophagitis und Nahrungsmittelallergien zu bestehen scheint, kann das Meiden von Lebensmitteln, gegen die eine Allergie bekannt ist, zu einem Rückgang der Entzündung führen. So gibt es Hinweise darauf, dass tierische Milch und Milchprodukte, Weizen/Gluten, Soja/Hülsenfrüchte, Eier, Nüsse sowie Fisch und Meeresfrüchte besonders häufig Auslöser oder Ursache einer eosinophilen Ösophagitis sein können. Damit besteht eine diätetische Behandlungsmöglichkeit, indem der Verzehr dieser Nahrungsmittel konsequent vermieden wird. Es gibt verschiedene Diätformen bei denen entweder zwei (Milchprodukte und Weizen/Gluten), vier (Milchprodukte, Weizen/Gluten, Eier, Soja/Hülsenfrüchte) oder aber alle sechs Nahrungsmittelgruppen vom Speiseplan gestrichen werden. Solche Maßnahmen sollten nach Möglichkeit von einer Ernährungsberatung begleitet werden. Sie gehen je nach Umfang der Diät mit einem drastischen Einschnitt in den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen einher.

Möglich ist ferner eine Diät mit Nährlösungen, bei der auf alle herkömmlichen Nahrungsmittel verzichtet werden muss. Diese Form der Diät zeigt sehr gute Ergebnisse, ist allerdings aufgrund der damit verbundenen Einschränkungen kaum als Langzeittherapie durchführbar.

Eine strikte diätetische Therapie wird daher insbesondere in Krankheitsphasen mit akuter Speiseröhrenentzündung empfohlen, ist jedoch auf lange Sicht selten praktikabel.

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung einer Eosinophilen Ösophagitis ist die Aufweitung der Speiseröhre (Dilatation) während einer Speiseröhrenspiegelung. Die Aufweitung ist sinnvoll, wenn sich bereits narbige Verengungen gebildet haben. Die Verengungen und Narbenstränge, die den Durchmesser der Speiseröhre verkleinern, werden bei dem Eingriff mechanisch aufgedehnt.

Die der Engstelle zugrundeliegende Entzündung wird damit aber nicht behandelt und es kommt ohne gezielte medikamentöse oder diätetische Therapie mit der Zeit in aller Regel erneut zu Verengungen, die wiederum aufgeweitet werden müssen.

Verlauf und Prognose

Krankheitsverlauf und Prognose der Eosinophilen Ösophagitis hängen davon ab, wie frühzeitig eine effektive Behandlung der Speiseröhrenentzündung einsetzt und wie konsequent die Entzündungsprozesse unterdrückt werden, da es durch die chronische Entzündung zu Vernarbungen und damit langfristig zur Verengung der Speiseröhre kommen kann. Gleichzeitig steigt damit das Risiko möglicher Komplikationen wie dem Blockieren der Speiseröhre durch feste Nahrungsbissen (Bolusimpaktion).