Informationen für Patient*innen zur Mikroskopischen Kolitis
- Entzündung der Dickdarmschleimhaut, nur unter dem Mikroskop erkennbar
- Wird neben Morbus Crohn und Colitis ulcerosa den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zugeordnet
- Wichtigstes Symptom sind chronische, wässrige Durchfälle – oft auch nachts
- Der Verlauf ist in der Regel gutartig, das Darmkrebsrisiko ist nicht erhöht
Mikroskopische Kolitis verstehen
Bei der mikroskopischen Kolitis kommt es zu einer Entzündung der Dickdarmschleimhaut. Während sich Entzündungen im Darm normalerweise bei der Darmspiegelung durch Rötungen oder andere Entzündungszeichen zeigen, ist das hier nicht der Fall: Die krankhaften Veränderungen sind nur in Gewebeproben (Biopsien) unter dem Mikroskop zu erkennen. Daher der Name.
Weil die Erkrankung mit chronischen Entzündungen im Darm einhergeht, wird sie neben Morbus Crohn und Colitis ulcerosa den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zugeordnet. Sie unterscheidet sich von diesen aber in Verlauf und Prognose.
Man unterscheidet zwei Formen: die kollagene Kolitis, bei der ein verdicktes Bindegewebsband (Kollagenband) in der Schleimhaut auffällt, und die lymphozytäre Kolitis mit einer erhöhten Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen. Lässt sich das Bild nicht eindeutig zuordnen, spricht man von einer inkompletten mikroskopischen Kolitis.
Die konkrete Ursache ist noch unbekannt. Vermutet wird, dass genetische Faktoren im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren die Erkrankung auslösen. Auch bakterielle oder virale Infektionen sowie die Einnahme bestimmter Medikamente können möglicherweise eine Rolle spielen.
Bekannt ist, dass Rauchen ein Risikofaktor für die Entwicklung einer mikroskopischen Kolitis ist.
Betroffen sind deutlich mehr Frauen als Männer, und die Erkrankung tritt häufig in der zweiten Lebenshälfte auf. Da die Beschwerden denen eines Reizdarmsyndroms ähneln, wird sie nicht selten übersehen.
Das wichtigste Symptom sind chronische, wässrige Durchfälle. Häufig kommen hinzu:
- Oberbauchbeschwerden und Übelkeit
- Blähungen
- Müdigkeit
- Mehr oder weniger ausgeprägter Gewichtsverlust
- Durchfälle auch während der Nacht
Achtung: Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl sind untypisch. Die Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Nicht selten bestehen Begleiterkrankungen außerhalb des Darms – etwa rheumatische Krankheitsbilder, Schuppenflechte, Störungen der Schilddrüsenfunktion, eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder Durchblutungsstörungen.
Weil die Beschwerden denen eines Reizdarmsyndroms ähneln, darf die Diagnose nicht vorschnell gestellt werden – auch dann nicht, wenn die Darmspiegelung unauffällig ist. Eine sorgfältige Abklärung ist die Basis für eine wirksame Behandlung.
- Anamnese – Krankengeschichte, Dauer und Schwere der Beschwerden, Unverträglichkeiten, Erkrankungen in der Familie
- Körperliche Untersuchung, Ultraschall und Laboruntersuchungen
- Darmspiegelung (Koloskopie) mit Stufenbiopsien – Gewebeproben in definiertem Abstand aus dem gesamten Dickdarm
Erst die mikroskopische Untersuchung dieser Proben sichert die Diagnose: Bei der kollagenen Kolitis zeigt sich ein verdicktes Kollagenband, bei der lymphozytären Kolitis eine deutlich erhöhte Zahl weißer Blutzellen.
Wie wird die Erkrankung behandelt?
Ziel der Behandlung ist die Besserung oder möglichst das völlige Verschwinden der Beschwerden – und damit eine nachhaltig bessere Lebensqualität.
Die mikroskopische Kolitis wird derzeit mit lokal wirksamen Kortikosteroiden behandelt. Diese wirken gezielt am Ort der Entzündung und werden rasch abgebaut, wodurch Nebenwirkungen im übrigen Körper deutlich verringert werden.
Achtung: Wird das Medikament nach Abklingen der Beschwerden beendet, kommt es bei der Mehrzahl der Betroffenen innerhalb weniger Monate zu einem Rückfall. Die Therapie wird deshalb nach den Leitlinien häufig fortgeführt – besprechen Sie das Vorgehen mit Ihrem Behandlungsteam.
Was können Sie selbst tun?
- Rauchstopp – Rauchen wirkt sich nachweislich negativ auf den Verlauf aus
- Auf eine ausgewogene, abwechslungsreiche Kost achten; eine spezielle Diät ist nicht nötig
- Abklären lassen, ob zusätzlich eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) besteht – sie tritt oft gemeinsam mit einer mikroskopischen Kolitis auf
- Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten
- Beschwerden und Therapieerfolg offen mit dem Behandlungsteam besprechen
Ein Beschwerdetagebuch hilft, den Verlauf einzuschätzen und die Behandlung gemeinsam zu steuern.
Häufige Fragen
Ist die mikroskopische Kolitis gefährlich?
Es handelt sich nicht um eine lebensbedrohliche Erkrankung, der Verlauf ist in aller Regel gutartig. Unbehandelt kommt es allerdings bei etwa jeder zweiten Person zu anhaltenden oder wiederkehrenden Durchfällen, die die Lebensqualität massiv beeinträchtigen.
Erhöht sich mein Darmkrebsrisiko?
Nach derzeitigem Kenntnisstand besteht bei einer mikroskopischen Kolitis kein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.
Warum sieht mein Darm bei der Spiegelung normal aus?
Die Veränderungen betreffen die Schleimhaut auf einer Ebene, die mit dem Auge nicht sichtbar ist. Erst die Gewebeprobe unter dem Mikroskop zeigt sie.
Ist das nicht einfach ein Reizdarm?
Die Beschwerden ähneln sich stark, die Erkrankungen sind aber verschieden. Genau deshalb sind Gewebeproben für eine sichere Diagnose so wichtig.
Gut informiert – gut begleitet. Dieser Überblick ersetzt kein ärztliches Gespräch. Er soll Ihnen helfen, die Erkrankung besser zu verstehen und gut vorbereitet in Ihre Termine zu gehen.
Nächste Schritte
Vertiefende Informationen zum Mitnehmen und Anlaufstellen, die Sie über die medizinische Behandlung hinaus begleiten.